Evangelischer Kirchentag erbittet zum Abschluss „Dein Reich komme“

Dresden/Deutschland | 06.06.2011 | APD | unbekannt

„Jeder Mensch, der hinein geholt wird in ein lebenswertes Leben, ist ein Zeichen für das Reich Gottes“, sagte Pfarrerin Ulrike Trautwein in der Predigt beim Schlussgottesdienst des 33. Deutschen Evangelischen Kirchentags in Dresden. Im Mittelpunkt des Gottesdienstes, an dem rund 120.000 Menschen an beiden Seiten der Elbe teilnahmen, stand die Bitte des Vaterunser „Dein Reich komme“.

„Wie lang die Strasse ist, die vor uns liegt, wissen wir nicht. Aber dass das Reich Gottes vor uns liegt, das sollen wir wissen“, ermutigte Trautwein die Gottesdienstbesucher. Das Vertrauen auf Gottes Kommen schenke Gelassenheit. „Seit diesen Tagen hier hoffen wir noch stärker: Gott ist unterwegs zu uns.“

Dass der Kirchentag in Dresden mitten im säkularisierten Osten Deutschlands mehr Menschen als die Evangelischen Kirchentage der letzten 15 Jahre anzog, war eine Überraschung. Im Gegensatz zu der hohen Zahl von Kirchenaustritten offenbarte die Kirchentagsbewegung erneut eine kraftvolle Begeisterung, in der keine Glaubensmüdigkeit zu spüren war. Christen zeigten sich selbstbewusst, mündig und engagiert, häufig auch in Opposition zu den Amtskirchen.

Deutlich wurde die kirchenkritische Position des Kirchentags in der Frage des ökumenischen Miteinanders. Zwar war während des Kirchentags wiederholt zu hören, dass Ökumene alternativlos sei. Doch es blieb eine erwartungsvolle Forderung des Kirchentagsvolks. Ein Spitzentreffen von EKD-Ratsvorsitzenden Schneider und Erzbischof Zollitsch machte deren zurückhaltende Haltung in Fragen des gemeinsamen Abendmahls erneut offenkundig. Auch ein 3. Ökumenischer Kirchentag erschien nicht greifbar. Die Kirchentagsteilnehmer, von denen immerhin zehn Prozent katholischer Konfession waren, wollten sich damit nicht abfinden.

Nicht nur in Fragen der Begegnung von Christen unterschiedlicher Konfessionen vermochte der Kirchentag seine Dynamik zu entfalten. Auch die Erfahrungen aus dem 50-jährigen Gespräch mit dem Judentum zeigten sich als eine gute Grundlage für das noch junge Gespräch mit dem Islam. In dieser Vermittlungsrolle erfüllt die Kirchentagsbewegung eine Funktion, deren gesellschaftliche Bedeutung nicht unterschätzt werden sollte.

„Der Kirchentag ist immer beides: ein Fenster zum Himmel und eine Tür zur Welt; und beides gehört zusammen“, betonte Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckhardt bei der Verabschiedung der Teilnehmer. „Wir Christenmenschen lassen uns nicht einreden, wir müssten entweder noch politischer oder aber noch frommer werden. Wir sind beides, und haben vor, es zu bleiben.“

Der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag hat dies in bunter Vielfalt unter Beweis gestellt.

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