Die Schweizerische Evangelische Allianz und der Dachverband Freikirchen.ch bedauern das Ja zur «Ehe für alle» © Foto: John-Mark Smith on Unsplash

Evangelische Allianz und Freikirchen.ch bedauern das Ja zur «Ehe für alle»

Zürich/Schweiz | 28.09.2021 | APD | Schweiz

«Die Schweiz definiert die Ehe um, indem sie künftig auch zwischen zwei Frauen bzw. zwei Männern möglich ist, und weitet die Adoption auf gleichgeschlechtliche sowie die Samenspende auf lesbische Paare aus», schreibt die Schweizerische Evangelische Allianz SEA-RES in einer Medienmitteilung zur eidgenössischen Abstimmung vom 26. September. Der Allianz gehen diese Schritte zu weit, insbesondere weil sie die Rechte und das Wohl der Kinder zu wenig gewichten. Demnach werde sich die SEA-RES mit Blick auf die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Ehen für die Religions- und Gewissensfreiheit von Kirchen und Pfarrpersonen stark machen. Der Dachverband Freikirchen.ch schreibt, er könne in einer pluralistischen Gesellschaft damit leben, dass man nicht immer die demokratische Mehrheitsmeinung vertrete und will weiterhin für christliche Werte einstehen.

«Das Verdikt in der Volksabstimmung über die Gesetzesvorlage «Ehe für alle» ist mit gut 64 Prozent Ja-Stimmen deutlich ausgefallen. Selbstverständlich akzeptiert die SEA-RES diesen demokratischen Entscheid und anerkennt, dass die Argumente gegen die Vorlage – insbesondere die Folgen der Ausweitung der Adoption und der Samenspende für das Wohl der betroffenen Kinder – keine Mehrheit zu überzeugen vermochten», heisst es in der Medienmitteilung. Die Wünsche der Erwachsenen haben laut SEA-RES über die Rechte der Kinder gesiegt. Zudem sei die absehbare weitere Entwicklung hin zur Legalisierung von Eizellenspende und Leihmutterschaft und damit einer äusserst bedenklichen Instrumentalisierung des menschlichen Körpers zu wenig mitbedacht worden.

Kirchen sind in ihren gottesdienstlichen Ritualen frei
Die Schweizerische Evangelische Allianz werde sich bezüglich kirchlicher Trauung weiterhin für Religions- und Gewissensfreiheit stark machen. «Kirchen, auch öffentlich-rechtliche Kirchen, sollten frei sein, wie bisher die Trauung von Ehepaaren in der Zeremonie zu unterscheiden von anderen Ritualen. Sie sollen nach wie vor auch nur Trauungen für Mann und Frau anbieten können, ohne dass dies einer strafrechtlich relevanten Leistungsverweigerung gleichkommt» schreibt SEA_RES. Die Evangelische Allianz habe bereits in der Abstimmung über die Erweiterung der Rassismus-Strafnorm - um die sexuelle Orientierung - auf diese Gefahr hingewiesen. Die zivilrechtliche Ehe ist laut SEA-RES ein Rechtsinstitut, das Religionsgemeinschaften nicht zwingend für Rituale oder Sakramente voraussetzen respektive nachvollziehen müssen. Zudem soll Pfarrpersonen in öffentlich-rechtlichen Kirchen die Gewissensfreiheit zugestanden werden, fordert die Allianz. Unabhängig davon werde sich die SEA-RES weiterhin für gelingende Beziehungen und starke Ehen einsetzen.

Der Dachverband Freikirchen.ch will weiterhin für christliche Werte einstehen
«Selbstverständlich respektieren wir den Entscheid der Schweizer Bevölkerung. In einer pluralistischen Gesellschaft müssen wir damit leben, dass wir nicht immer die demokratische Mehrheitsmeinung vertreten, wie das diese Abstimmung gezeigt hat», erklärt Christian Haslebacher, Vizepräsident Freikirchen.ch, Dachverband der Freikirchen und christlichen Gemeinschaften. Freikirchen.ch sei es wichtig, auch nach diesem Abstimmungsresultat eine selbstbewusste Stimme auf dem "Markt der Weltanschauungen" zu bleiben: «Wir sind überzeugt, dass es gute Gründe gibt, auch in Zukunft für christliche Werte und die christliche Botschaft einzustehen.»

«Christliche Werte sind eine Grundlage unserer freiheitlichen Demokratie»
«Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann», zitiert der Dachverband Ernst-Wolfgang Böckenförde, deutscher Staats- und Verwaltungsrechtler sowie Rechtsphilosoph. «Unsere liberale Gesellschaft fusst» laut dem Dachverband «zu grossen Teilen auf dem Fundament einer christlich geprägten Kultur. Ein Grossteil unserer Bevölkerung bezeichnet sich nach wie vor als "christlich". Es ist ein Risiko, diese bewährte Grundlage zu verlassen.»

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