Logos der Trägerorganisationen des Sonntags der verfolgten Kirche. © Logos: SEA & AGR

Wo es am gefährlichsten ist, Christ oder Christin zu sein

Zürich/Schweiz | 02.11.2021 | APD | Religionsfreiheit

„Diskriminiert, verfolgt, misshandelt, getötet: Dies ist das Schicksal von unzähligen Christinnen und Christen in vielen Weltgegenden“, schreibt die Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit (AGR) der Schweizerischen Evangelischen Allianz (SEA). Die Arbeitsgemeinschaft lädt die Kirchen in der Schweiz zum Sonntag der verfolgten Kirche, am 14. und 21. November, ein, besonders für die Religionsfreiheit in Subsahara-Afrika, in der Türkei und für christliche Konvertiten in islamischen Ländern zu sensibilisieren und einzustehen.

Demnach ist Verfolgung aufgrund der Religion heute noch alltäglich, dies gilt auch für rund 340 Millionen Christen in 74 Ländern. Stellvertretend für diese 74 Länder stehen am diesjährigen Sonntag der verfolgten Kirche Vergehen in islamischen Staaten, der Türkei und Subsahara-Afrika im Zentrum. Dies betreffe unter anderem Gesetze, die gegen Christen gerichtete seien, Repressalien aufgrund der Konversion zum Christentum sowie die Zerstörung der Lebensgrundlage von Christen und Christinnen.

Die islamischen Länder haben sich 1969 als «Organisation of Islamic Cooperation» (OIC) zusammengeschlossen, welche den Interessen des Islams und aller Muslime weltweit Geltung verschaffen soll. Durch diese einseitige religiöse Ausrichtung würden die Rechte der nichtmuslimischen Bevölkerung – einer halben Milliarde Menschen – in diesen Ländern völlig ignoriert oder verneint, so die Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit. Dies mache eine Konversion zu einem anderen Glauben zu einem lebensgefährlichen Unterfangen, wie auch ein neues Gesetz im Iran zeige. Danach «wird alle Beteiligung an Propaganda, welche von der heiligen Scharia abweicht, schwer bestraft».

In der Türkei, wo es offiziell keine Staatsreligion gibt, wird die Religionszugehörigkeit im Ausweisdokument miterfasst. Wer seine Papiere ändern lassen will, insbesondere vom Islam zum Christentum, habe eine hohe Hürde zu überwinden, von Spott über Abweisung bei Bewerbungen bis hin zu ernsteren Repressalien, heisst es in der AGR-Medienmitteilung

Subsahara-Afrika als Todesregion
Laut AGR hatte Covid-19 auch in Subsahara-Afrika einen grossen Einfluss auf die erhöhte Verfolgungsrate von Christen. Dschihadisten und Milizen hätten das Versagen schwacher Regierungen während der Pandemie ausgenutzt. So seien in Kamerun die Boko Haram und ihr Ableger Islamischer Staat Westafrika, islamistische terroristische Gruppierung, für 400 gewaltsame Zwischenfälle verantwortlich, was im Vergleich zum letzten Jahr ein Anstieg von 90 Prozent darstelle. In Nigeria – das zum ersten Mal unter den Top 10 des Weltverfolgungsindexes der Organisation Open Doors rangiert – wurden mehrere hundert, meist christliche Dörfer besetzt und überfallen sowie Kirchen zerstört. Die Subsahara-Region wurde aufgrund der islamistischen Gewalt zur gefährlichsten Region für Christen, schreibt AGR.

Der Weltverfolgungsindex 2021 von Open Doors klassifiziert das Ausmass der Christenverfolgung: 1. Nordkorea; 2. Afghanistan; 3. Somalia; 4. Libyen; 5. Pakistan; 6. Eritrea; 7. Jemen; 8. Iran; 9. Nigeria; 10. Indien.

Philippe Fonjallaz, Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Religionsfreiheit der Schweizerischen Evangelischen Allianz SEA, hält zu dieser erdrückenden Sachlage fest: «Unsere verfolgten Brüder und Schwestern leiden unter den Konsequenzen ihrer Entscheidung, Christus nachzufolgen. Deshalb rufen wir die weltweite Kirche auf, für sie zu beten und sich für sie einzusetzen, damit ihre Situation nicht banalisiert wird. Angesichts der Ungerechtigkeit, die sie erleiden, wollen wir nicht schweigen!»

Zum Weltverfolgungsindex von Open Doors:
https://www.opendoors.ch/index

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