Fariba Dalir und Nasser Navard Gol-Tapeh wurden in Iran überraschend aus dem Gefängnis entlassen. © Foto: Article18

Iran: Zwei Christen überraschend aus der Haft entlassen

Kelkheim/Deutschland | 24.10.2022 | APD | Religionsfreiheit

Im Iran sind Nasser Navard Gol-Tapeh (61) und Fariba Dalir (51), beides Christen, überraschend aus der Haft entlassen worden. Sie sind ehemalige Muslime und waren zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt worden, die sie im Teheraner Evin-Gefängnis verbüssten. Ob ihre vorzeitige Entlassung mit dem jüngsten Brand in dem Gefängnis oder mit den derzeitigen Protesten gegen das Regime in Verbindung steht, ist unklar, schreibt Open Doors (OD) Deutschland in einer Medienmitteilung.

Zahlreiche offene Briefe aus dem Gefängnis
Nasser Navard Gol-Tapeh war 2017 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden, nachdem ein Gericht ihn und drei weitere Angeklagte in mehreren Punkten schuldig gesprochen hatte. Dazu zählten laut OD unter anderem „Gefährdung der Nationalen Sicherheit“, „missionarische Aktivitäten“ und „zionistisches Christentum“. Danach sei er für fünf Jahre in Haft gesessen, bis ihm am Morgen des 17. Oktober mitgeteilt wurde, dass er begnadigt worden sei, schreibt OD. Mittlerweile sei er wieder bei sich zu Hause.

Während seiner fast 2.000 Tage im Gefängnis habe Nasser mehrere Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens oder auf Bewährung gestellt und zahlreiche offene Briefe geschrieben, in denen er unter anderem gefragt habe, inwiefern die Mitgliedschaft in einer Hauskirche die nationale Sicherheit gefährde, berichtet das Hilfswerk. All seine Bitten seien zunächst wirkungslos geblieben.

Fariba Dalir aus Evin-Gefängnis entlassen
Am 18. Oktober erhielt auch Fariba Dalir die freudige Nachricht von ihrer vorzeitigen Entlassung. Sie war erstmalig im Juli letzten Jahres verhaftet worden und befand sich seit Karsamstag 2022 im Evin-Gefängnis. Ein Gericht hatte sie wegen „Handelns gegen die nationale Sicherheit durch Gründung und Leitung einer evangelischen christlichen Kirche“ zu zwei Jahren Haft verurteilt. Von ihren über 200 Tagen in Haft verbrachte sie laut OD mehr als einen Monat in Einzelhaft.

Weiterhin zehn Christen im Evin-Gefängnis
Unterdessen befinden sich mindestens zehn Christen weiterhin im Evin-Gefängnis, schreibt Open Doors. Dort war es am 15. Oktober zu einem verheerenden Brand gekommen, bei dem offiziellen Quellen zufolge acht Menschen ums Leben kamen. Nach Angaben von Article 18 – Organisation, die sich zum Schutz und zur Förderung der Religionsfreiheit im Iran einsetzt - hatte das staatliche Fernsehen sogar zunächst von 40 Opfern berichtet, diese Zahl aber schnell zurückgezogen.

„Höllische Nacht“ für Angehörige während Gefängnisbrand
Ein Familienmitglied eines inhaftierten Christen sagte gegenüber Article 18: „Es war eine höllische Nacht für uns. Wir waren völlig im Unklaren darüber, was geschah. Als wir endlich miteinander sprechen konnten, hörten wir Schüsse, und dann wurde die Verbindung unterbrochen. Wir weinten bis zum Morgen.“ Rund um das Gefängnis spielten sich währenddessen chaotische Szenen ab, da wegen des Todes der jungen Kurdin Mahsa Amini zahlreiche Menschen auf den Strassen protestierten.

Iran auf dem Weltverfolgungsindex 2022 auf dem 9. Platz
Auf dem Weltverfolgungsindex 2022 belegt Iran den 9. Platz unter den Ländern, in denen Christen am stärksten wegen ihres Glaubens verfolgt werden: https://www.opendoors.ch/index.

Article18
Article18 ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in London, die sich für den Schutz und die Förderung der Religionsfreiheit im Iran einsetzt und sich für die verfolgten Christen des Landes einsetzt.

Open Doors
Open Doors ist laut Wikipedia ein internationales überkonfessionelles christliches Hilfswerk, das sich in mehr als 70 Ländern der Welt für Christen einsetzt, die aufgrund ihres Glaubens diskriminiert oder verfolgt werden.

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