Ted Wilson, adventistischer Weltkirchenleiter © Foto: Gunther Klenk

„Hoffnung vereint“ – Jahreskonferenz der Schweizer Adventisten

Biel/Schweiz | 06.05.2013 | APD | Schweiz

Am 4. Mai eröffnete David Jennah, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz gemeinsam mit Günther Maurer, Präsident der Deutschschweizer Adventisten, die Jahreskonferenz unter dem Motto „Hoffnung vereint“ mit 1.200 Teilnehmenden im Eisstadion Biel.

Anlässlich des 150jährigen Bestehens wurde in einem historischen Rückblick zu Beginn der Konferenz die Entwicklung der Kirche mit 3.500 Mitgliedern bei der Gründung 1863 in den USA zu einer Weltkirche aufgezeigt, die heute in 208 Ländern und Territorien mit 17,6 Millionen Mitgliedern tätig ist. „Die Hoffnung auf die Wiederkunft Christi war die Triebfeder für die Mission“ und Ausbreitung der Adventisten, sagte Pastor Christian Ströck.

Pastor Ted Wilson (Silver Spring/USA), Weltkirchenleiter der Adventisten, sprach nicht in Englisch, wie viele Anwesende erwartet hatten, sondern predigte in Französisch. Der Prophet Elia sei vor dem König des Nordreichs Israel beim Gottesurteil am Berg Karmel nicht eingeknickt, sondern für eine Reform des Glaubens eingestanden, so Wilson. „Die Schweiz war in der Vergangenheit ein Zentrum der Reformation und soll es wieder werden“, forderte er die Zuhörenden auf. „Heute ist die Zeit, Gott und seiner Botschaft treu zu sein sowie die Zeit für Erweckung und Reformation.“ Überzeugt von der Nähe der Wiederkunft Christi halte er daran fest, dass Gott treu zu seinen Zusagen stehe.

Fragen an den Weltkirchenleiter
Wie der zunehmenden Säkularisierung in der Adventgemeinde zu begegnen sei oder wie mit der Frauenordinationsfrage in einer Weltkirche umgegangen werden soll, waren zwei der ausgewählten Fragen von Schweizer Adventisten auf die der Weltkirchenleiter in der ersten Nachmittagsstunde antwortete. Der zunehmenden Verweltlichung in der Kirche sei nur mit einer Hinwendung zum Wort Gottes zu begegnen, so Wilson. Bezüglich der Frauenordinationsfrage ging er nicht auf die theologischen Aspekte der Frage ein, sondern wies auf die 2012 eingesetzte weltweite Studienkommission hin, die bis Herbst 2014 ihre Ergebnisse der Weltkirchenleitung vorlegen werde.

Auf die Frage nach dem Selbstverständnis der Adventisten, mit einer besonderen reformatorischen Aufgabe auch innerhalb der christlichen Kirchen beauftragt zu sein, antwortete Wilson, dass dies nicht als Arroganz verstanden werden dürfe. Es gehe aber darum, zu dieser Aufgabe zu stehen und sie demütig zu erfüllen. „Adventisten sollten beste Freunde aller Menschen sein“, so Wilson, sich aber mit jenen ökumenischen Bewegungen nicht vermischen, die sie hindern würden, ihren Auftrag zu erfüllen.

Nach der Zukunftsvision der adventistischen Weltkirchenleitung für eine in Ländern des Südens stark wachsende Kirche befragt, wies Pastor Wilson auf die Versuchung hin, nationale Kirchen zu schaffen. Es solle auch in Zukunft die Kirche der Adventisten in Indien oder in China geben, aber keinen indischen oder chinesischen Adventismus.

David Jennah & Günther Maurer, adventistische Kirchenleiter Schweiz und Deutschschweiz © Foto: Gunther Klenk

Ordinationsfeier
In einem anschliessenden Ordinationsgottesdienst wurden zwei Pastoralassistenten aus der Deutschschweiz, Fabian Looser Grönroos (Bern) und René Pieper (Biel) sowie Joao David Nogueiro Fernandes (Genf) aus der welschen Schweiz durch Pastor Günther Maurer und Pastor David Jennah, die zuständigen Präsidenten, zum Pastorendienst ordiniert.

Kindermusical
Mit Ausschnitten aus dem Kindermusical „Esther“, bei dem rund 100 Kinder mitwirkten, fand die Jahreskonferenz einen musikalischen Abschluss.


Adventisten in der Schweiz
Die protestantische Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten ist seit 146 Jahren in der Schweiz vertreten. Die erste Gemeinde wurde 1867 in Tramelan (Berner Jura) gegründet. Im Jahre 1901 wurden die Kirchengemeinden in der Schweiz entsprechend der Sprachzugehörigkeit in zwei "Vereinigungen" aufgeteilt: in die "Deutschschweizerische Vereinigung" mit Sitz in Zürich und in die "Fédération de la Suisse Romande et du Tessin" mit Sitz in Renens/VD. Beide Verwaltungsregionen bilden gemeinsam die nationale Kirchenleitung „Schweizer Union“. Ende Dezember 2012 lebten 4.394 erwachsen getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz. Einige Hundert Kinder und Jugendliche sind in der Mitgliederzahl nicht enthalten, da die protestantische Freikirche keine Kinder tauft, sondern ihnen den Entscheid zum Kirchenbeitritt in einem Alter überlässt, wenn sie sich selbst entscheiden können. Die Adventisten der Schweiz feiern den Gottesdienst am biblischen Ruhetag, dem Samstag (Sabbat), in 49 Kirchgemeinden und acht Gruppen. Weltweit sind 17,6 Millionen Personen durch die Glaubenstaufe Mitglieder geworden.

Ökumenische Kontakte
Die Adventisten sind Mitglied der Schweizerischen Bibelgesellschaft (SB) und haben den Gaststatus in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in der Schweiz (AGCK-CH) sowie in sieben kantonalen Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen.

Institutionen und Werke
Die Adventisten in der Schweiz führen die „Privatschule A bis Z“ in Zürich, zwei Jugendhäuser, in St. Stephan/BE und Les Diablerets/VD, zwei Alters- und Pflegeheime in Krattigen/BE und Epalinges, bei Lausanne, den Advent-Verlag in Krattigen sowie eine Versandstelle für französische Bücher in Renens. Im Weiteren unterhalten sie das "Internationale Bibelstudieninstitut" (IBSI) und das Religionspädagogische Institut (RPI) in Zürich sowie das „Institut d'Etude de la Bible par Correspondance“ (IEBC) in Renens. In Gland/VD befindet sich die Klinik „La Lignière“, spezialisiert auf Rehabilitation bei Herz-Kreislauferkrankungen. Die Pastoren und Pastorinnen der Deutschschweiz werden vor allem im Theologischen Seminar "Bogenhofen" in Oberösterreich ausgebildet, das von den Adventisten in der Deutschschweiz und Österreich gemeinsam getragen wird. Die Pastoren der welschen Schweiz lassen sich vorwiegend am Campus Adventiste du Salève in Frankreich ausbilden.

Zu den gesamtschweizerischen Werken zählt die „Adventistische Entwicklungs- und Katastrophenhilfe“ ADRA Schweiz mit Sitz in Zürich, ein Partnerhilfswerk der Glückskette. Der „Adventistische Pressedienst“ APD Schweiz, Basel, richtet seine Dienste vor allem an die säkularen Medien sowie an die kirchliche Presse. Die Schweizerische Liga Leben und Gesundheit, Zürich, bietet mit ihren Seminaren in rund 40 Ortsgruppen ganzheitliche Gesundheitsförderung an: körperlich, seelisch, spirituell und sozial.

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