Pastor Daniel R. Jackson, Präsident der Adventisten in Nordamerika (NAD) © Foto: ANN

Adventisten in Nordamerika „erwachsen“ geworden und finanzstark

Lüneburg/Deutschland | 12.11.2014 | APD | International

Im Zusammenhang mit der Diskussion über die Ordination von Frauen zum Pastorendienst während der Oktober-Sitzung des Exekutivausschusses der adventistischen Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) in Silver Spring, Maryland/USA, wurden die rund 300 Mitglieder des Ausschusses dazu aufgerufen, bei Meinungsverschiedenheiten miteinander „respektvoll, demütig und in der Gesinnung Christi“ umzugehen. Bei der Aufbereitung der Thematik Anfang November im Exekutivausschuss der Freikirche in Nordamerika gab deren Präsident, Pastor Daniel R. Jackson, diese Bitte an die anwesenden Delegierten weiter: „Es gehört nicht zu unserem Auftrag, uns gegenseitig zu bekämpfen, weil wir nicht einer Meinung bezüglich der Ordination von Frauen sind“, betonte er. „Wir haben das Recht, zu widersprechen, aber Gott hat uns die Verantwortung gegeben, seine Liebe mit anderen zu teilen.“

Für einen anständigen Diskurs
Als Antwort auf Jacksons Aufruf verabschiedeten die Anwesenden eine Vier-Punkte-Erklärung für einen „anständigen Diskurs“. Laut dem Onlinedienst der Zeitschrift „Adventisten heute“ werde darin zunächst ermutigt, Widerspruch zu äussern, solange dieser ehrlich und vom aufrichtigen Wunsch motiviert ist, zur Wahrheit zu gelangen. Im zweiten Punkt beschlossen die Delegierten, „zuerst mit denen zu reden, deren Ansicht wir nicht teilen, und ihnen nicht-wertend zuzuhören, damit wir ihre Position korrekt wiedergeben können, bevor wir sie kritisieren“. Punkt drei lautet: „Wir beschliessen, den Gebrauch von Sarkasmus, Karikaturen, Anekdoten, Verspottung und jede andere Form versteckter Andeutungen zu meiden, die dazu dient, den Ruf oder die Persönlichkeit anderer herabzuwürdigen.“ Im Punkt vier beschlossen sie, keine Online- oder Offline-Kommunikation zu dulden, die den guten Namen der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Allgemeinen oder den Ruf einzelner Mitglieder im Besonderen diffamiert oder herabsetzt.

Das alles geschehe mit dem Ziel, die Kommunikation gemäss den hohen Standards eines christlichen Verhaltens zu führen, „damit Gott durch alles verherrlicht wird, was wir sagen und tun“.

Wachstumsrate zurückgegangen
In seinem Rechenschaftsbericht wies Generalsekretär G. Alex Bryant auf den Mitgliederrückgang im vierten Jahr in Folge hin – sowohl in den USA als auch in Kanada. Zwar sei die Mitgliederzahl im Jahr 2013 um 17.541 Personen auf 1.184.395 gewachsen, aber die Wachstumsrate wäre von 3,41 Prozent in 2012 auf 3,19 Prozent in 2013 zurückgegangen (2011 betrug sie 3,15 Prozent, in 2010 waren es 3,63 Prozent und in 2009 sogar 4,19 Prozent).

Bryant bemerkte dazu, dass auch die nordamerikanischen Adventisten nicht vom allgemeinen Trend in der Weltkirche verschont würden: Während 32 Millionen Menschen in den vergangenen 30 Jahren weltweit getauft worden seien, hätten gleichzeitig elf Millionen die Kirche verlassen.

„Erwachsen“ geworden
Bei der Novembersitzung wurde laut dem Onlinedienst der Zeitschrift „Adventisten heute“ auch die Frage nach einem eigenen Verwaltungssitz für die nordamerikanische Kirchenleitung behandelt. Zwar gibt es diese schon seit 1913, doch bildete sie jahrzehntelang eine Verwaltungseinheit mit der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz). Obwohl die Verwaltungseinheit inzwischen aufgehoben wurde, behielt die nordamerikanische Kirchenleitung ihre Büros im Verwaltungsgebäude der Generalkonferenz bei. Unabhängig wirtschaftlicher Überlegungen gebe es mindestens zehn Gründe für einen Auszug, von denen der erste die Selbstbestimmung sei, hob Präsident Jackson gegenüber den Delegierten hervor. „Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordamerika hat das Bedürfnis, ihren einzigartigen Verkündigungsauftrag nach Strategien wahrzunehmen, die relevant und funktionsfähig für ihr Gebiet sind. Es wird Zeit, dass wir erwachsen werden und das Elternhaus verlassen.“

Als alternative Standorte hätten Dallas, Denver und Atlanta zur Debatte gestanden. Die Mehrheit habe sich jedoch für einen Verbleiben im Grossraum Washington ausgesprochen. Einen Zeitplan für den Auszug gebe es noch nicht.

Finanzstark
Die nordamerikanische Kirchenleitung ist eine von 13 kontinentalen Kirchenleitungen („Divisionen“) der weltweiten Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. 1.184.395 als Erwachsene getaufte Personen versammeln sich in 5.448 Kirchengemeinden, für die 4.150 Pastoren zuständig sind.

Immer noch würden die nordamerikanischen Adventisten wesentlich zur Finanzierung der Arbeit der Weltkirche beitragen. Laut Robert Lemon, Schatzmeister der Weltkirchenleitung, gingen im letzten Jahr 50 Prozent der Spenden für die weltweite Mission allein von den Adventisten aus Nordamerika ein. Die weiteren 50 Prozent würden die rund 17 Millionen Mitglieder in den anderen Kontinenten aufbringen.

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